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Wir nannten es Bloggen

Von Megnut bis Substack: Die wilde Geschichte einer digitalen Kulturtechnik, die nie wirklich gestorben ist – auch wenn alle paar Jahre ihr Nachruf geschrieben wird


Es gibt wenige Wörter, die das frühe Internet so präzise beschreiben wie „Blog". Ein Wort, das klingt wie ein Geräusch – wie das Fallen eines Tropfens in einen stillen Teich. Und genau das war es auch: Ein Mensch ließ einen Gedanken ins Netz fallen, und die konzentrischen Kreise breiteten sich aus, langsam, unvorhersehbar, manchmal weltverändernd. Heute, im Jahr 2026, wirkt das Bloggen auf den ersten Blick wie ein Relikt aus der digitalen Steinzeit, eingeklemmt zwischen TikTok-Reels und KI-generierten Textwusten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Das Blog lebt. Es hat sich nur häufiger umgezogen, als seine Totengräber wahrhaben wollen.


Am Anfang war das Logbuch

Die Vorgeschichte des Bloggens beginnt, wie so vieles im Internet, mit einem Physiker am CERN. Als Tim Berners-Lee 1991 die erste Website der Welt erstellte, führte er dort eine Art öffentliches Notizbuch über den Fortschritt des World Wide Web – die neuesten Einträge oben, die ältesten unten. Man könnte sagen: Das erste Blog der Welt war ein Baustellentagebuch. 6ab207c3-b344-4c54-b8bd-1018f80d0cc0

1994 begann Justin Hall, damals Student am Swarthmore College, auf seiner Website links.net sein Leben ins Netz zu stellen – radikal persönlich, ungefiltert, täglich. Die New York Times würde ihn später den „Gründungsvater des persönlichen Bloggens" nennen. Parallel entstanden Seiten wie Dave Winers Scripting News und Jorn Bargers Robot Wisdom, dessen Betreiber im Dezember 1997 den Begriff „Weblog" prägte – eine Zusammensetzung aus „Web" und „Log", also: ein Logbuch des Surfens.

Dave Winer verdient in dieser Urgeschichte besondere Erwähnung. Sein Blog Scripting News ist seit 1997 ununterbrochen online – eines der ältesten kontinuierlich betriebenen Blogs der Welt. Doch Winer war nicht nur Blogger, er war Ingenieur der Blogosphäre: Er entwickelte RSS maßgeblich mit, jene Technik, die es ermöglichte, Blogs per Feed zu abonnieren und in einem Reader gesammelt zu lesen. Ohne RSS hätte sich die Blogosphäre nie zu einem vernetzten Gespräch verdichtet. Später war Winer auch an der Entwicklung der Podcast-Technologie beteiligt. Bis heute bloggt er – ein Ingenieur, der sein eigenes Werkzeug nie aus der Hand gelegt hat.

Im Frühjahr 1999 machte Peter Merholz auf seiner Seite Peterme.com einen berühmt gewordenen Witz: Er zerlegte das Wort „Weblog" in seiner Seitenleiste zu „we blog" – und hatte damit unbeabsichtigt den Begriff geschaffen, der eine Ära definieren sollte.

Ein Jahr später, im September 2000, veröffentlichte Rebecca Blood ihren Essay „Weblogs: A History and Perspective", der die Szene zum ersten Mal historisch einordnete und so etwas wie ein Gründungsdokument der Blogkultur wurde. 2002 folgten gleich zwei frühe Bücher über das Bloggen: Bloods The Weblog Handbook und We Blog: Publishing Online with Weblogs von Meg Hourihan, Paul Bausch und Matt Haughey. Blood formulierte darin Regeln für gutes Bloggen, Jahre bevor Tim O'Reilly 2007 einen „Blogger's Code of Conduct" vorschlug.


Blogger.com: Die Demokratisierung des Publizierens

Wer verstehen will, warum das Bloggen vom Nischenhobby zur Massenbewegung wurde, muss nach San Francisco schauen, in ein winziges Büro an der Townsend Street. Dort hatten Evan Williams und Meg Hourihan 1999 die Firma Pyra Labs gegründet – eigentlich, um Projektmanagement-Software zu entwickeln. Doch ein internes Werkzeug, das die beiden zum Notieren ihrer Ideen nutzten, erwies sich als sehr viel spannender als das eigentliche Produkt: Am 23. August 1999 ging Blogger.com online.

Die Revolution war unscheinbar. Blogger machte es erstmals möglich, ohne HTML-Kenntnisse eine Website zu führen, die sich regelmäßig aktualisieren ließ. Jeder Eintrag bekam eine permanente URL – den Permalink, eine kleine Innovation mit enormen Folgen: Plötzlich konnte man auf einzelne Gedanken verlinken, nicht nur auf ganze Seiten. Das Bloggen wurde zitierfähig. 41ae5b87-ab6d-4097-8b3d-9478f7a0ae79

Ende 1999 lancierte Pyra Labs zusätzlich Blogspot.com als kostenlosen Hosting-Dienst. Im Januar 2000 hatte die Plattform bereits rund 2.300 Nutzer – eine für damalige Verhältnisse sensationelle Zahl, denn Bloggen war bis dahin eine Beschäftigung für technikaffine Early Adopter im Silicon Valley gewesen. Doch die Dotcom-Blase platzte, Pyra Labs ging das Geld aus, fast alle Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Williams hielt den Laden zeitweise nahezu alleine am Laufen, bis Google im Februar 2003 die Firma kaufte und Blogger für alle kostenlos zugänglich machte. Es war das Signal: Bloggen ist angekommen.

An der Programmierung von Blogger waren neben Williams und Hourihan auch Paul Bausch und Matt Haughey beteiligt. Haughey gründete 1999 außerdem MetaFilter, eine Community-Website, die zwar kein Blog im engeren Sinne war, aber zum zentralen Treffpunkt der frühen Blogszene wurde – gewissermaßen das Café Central der digitalen Boheme. MetaFilter existiert bis heute, mit einer kleinen, aber treuen Community.


Die A-List: Helden einer kurzen goldenen Ära

In den frühen 2000er Jahren bildete sich etwas heraus, das die Szene „A-List" nannte – eine informelle Hierarchie der einflussreichsten Blogs. Es waren Seiten, die man lesen musste, wenn man am Puls des Netzes sein wollte. Manche wurden zu Karrieren, manche zu Tragödien, manche zu Fußnoten.

Jason Kottke startete kottke.org 1998 und nannte es „home of fine hypertext products". Der Titel war programmatisch: Kottke kuratierte das Netz, bevor jemand das Wort „Kuratieren" in diesem Zusammenhang benutzte. Liebevoll ausgewählte Links, kurze Kommentare, ein untrügliches Gespür für das Interessante. 2005 kündigte er seinen Job und machte kottke.org zu seinem Vollzeitprojekt – finanziert durch Spenden seiner Leserschaft. Heute, im Frühjahr 2026, existiert das Blog immer noch. 2025 veröffentlichte Kottke laut seinem eigenen „Kottke Wrapped 2025" über 2.100 Beiträge, durchschnittlich mehr als fünf pro Tag, finanziert durch ein Membership-Modell ab drei Dollar im Monat. Kottke.org ist damit eines der am längsten kontinuierlich betriebenen Blogs der Welt – ein Monument der Beharrlichkeit in einer Industrie, die Beharrlichkeit selten belohnt.

Meg Hourihan – Mitbegründerin von Pyra Labs und damit Miterfinderin von Blogger – führte seit 1999 ihr Blog megnut.com. Es gehörte zur absoluten A-List der Szene. Hourihan war eine der wenigen prominenten Frauen im frühen Tech-Blogging, wurde in die TR35-Liste des MIT Technology Review aufgenommen und zusammen mit Evan Williams und Paul Bausch als PC Magazine People of the Year 2004 ausgezeichnet. Ab 2006 konzentrierte sie sich ganz auf Food-Blogging und wurde Beraterin bei Serious Eats, dem späteren James-Beard-Award-Gewinner. 2013 hörte sie auf zu bloggen. Heute führt sie die Beratungsfirma Megnut LLC in Vermont und ist mit Jason Kottke verheiratet – die beiden lernten sich auf der SXSW 2000 kennen, nachdem Meg auf ihrem Blog über einen Schwarm geschrieben hatte. Der Schwarm las mit und meldete sich. Die Geschichte der Blogosphäre ist auch eine Liebesgeschichte.

Derek Powazek gehörte ebenfalls zum inneren Kreis. Ab 1995 arbeitete er bei Pionierprojekten wie HotWired und später bei Blogger und Technorati. Er gründete Fray, ein frühes Online-Magazin für wahre Geschichten, und schrieb 2001 mit Design for Community eines der ersten Bücher über Online-Communitys. Powazek.com war eine feste Größe der Szene. Und heute? Auf seiner Website steht lakonisch: „Hi, I'm Derek. I used to make websites. Now I grow flowers and know things." Powazek hat das Internet tatsächlich verlassen und betreibt laut seinem LinkedIn-Profil eine Blumenfarm namens Milk Barn Farm. Gelegentlich äußert er sich noch zu Community-Design und der Verantwortung von Plattformen – aber seine produktivste Phase liegt in der analogen Erde.

Anil Dash schrieb ab 1999 auf anildash.com und gehörte zum engsten Zirkel der Blogszene. Anders als viele seiner Zeitgenossen verließ er das Blog nicht zugunsten sozialer Medien, sondern nutzte seine Sichtbarkeit, um zum Anwalt des offenen Webs zu werden. Dash wurde CEO der Entwicklerplattform Glitch (später von Fastly übernommen) und ist bis heute eine der konstantesten Stimmen, die dafür plädieren, das Internet als dezentralen, menschlichen Ort zu bewahren – gegen die Zentralisierung durch Großplattformen.

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Boing Boing: Das Blog als Gruppenerlebnis

Während die meisten A-List-Blogs das Werk einzelner Stimmen waren, bewies Boing Boing, dass auch ein Gruppenblog zur Institution werden konnte. Gegründet 1988 als Print-Zine von Mark Frauenfelder und Carla Sinclair, wurde es 2000 als Blog relauncht. Das Autorenteam – Frauenfelder, Cory Doctorow, Xeni Jardin, David Pescovitz – kuratierte eine Mischung aus Technologie, Popkultur, Bürgerrechten und dem Abseitigen, die kein Algorithmus je hätte zusammenstellen können. Auf seinem Höhepunkt erreichte Boing Boing rund drei Millionen Besucher pro Monat und hatte über 600.000 RSS-Abonnenten. Es gewann 2004 und 2005 die Bloggies als bestes US-Blog und bestes Gruppenblog.

Im Januar 2020 verließ Cory Doctorow Boing Boing nach 19 Jahren und knapp 54.000 Beiträgen. Drei Wochen später startete er Pluralistic, ein eigenes Blog auf WordPress, das er nach dem POSSE-Prinzip betreibt: „Post Own Site, Share Everywhere" – die Idee, Inhalte zuerst auf der eigenen, werbefreien Seite zu veröffentlichen und dann auf alle Plattformen zu syndizieren. Doctorow bloggt seither fünf oder mehr Tage pro Woche, schreibt über Monopole, digitale Rechte und die Mechanismen der Plattformökonomie. Sein 2023 geprägter Begriff „Enshittification" – über den systematischen Verfall von Tech-Plattformen – wurde vom Macquarie Dictionary zum Wort des Jahres 2024 gewählt und machte ihn zu einem der wenigen A-List-Blogger, die 2026 relevanter sind als je zuvor. Doctorow ist der lebende Beweis, dass sich das Blog als Format gegen jede Plattformlogik behaupten kann – wenn der Autor unbeirrbar genug ist.


Andrew Sullivan: Vom Pioneer zum „Recovering Blogger"

Wenn es eine einzelne Person gibt, die den Beweis erbrachte, dass Blogs die politische Öffentlichkeit verändern können, dann ist es Andrew Sullivan. Der britisch-amerikanische Journalist, ehemaliger Chefredakteur von The New Republic, startete seinen Blog The Daily Dish Ende 2000. Zunächst war es nur ein Archiv seiner Zeitschriftenartikel. Doch Sullivan begann, kurze Kommentare hinzuzufügen, mehrmals täglich. Innerhalb eines Jahres hatte er eine treue Leserschaft aufgebaut; ein erster Spendenaufruf brachte 27.000 Dollar ein.

Das Daily Dish wurde zum einflussreichsten politischen Blog der USA. Sullivan wanderte mit ihm durch die Medienlandschaft: vom eigenen Server zum Time Magazine, dann zum Atlantic, wo er zeitweise für mehr als die Hälfte des gesamten Website-Traffics verantwortlich war. Eine Person, ein Blog, mehr Reichweite als das ehrwürdige Magazin, das ihn beherbergte.

2013 wagte Sullivan ein Experiment, das seiner Zeit voraus war: Er löste den Dish von allen Medienpartnern und finanzierte ihn ausschließlich durch Abonnements – ohne Werbung, ohne Sponsoren. Im ersten Jahr zahlten über 34.000 Leser, die Einnahmen beliefen sich auf 851.000 Dollar. Es war der Beweis, dass ein einzelner Blogger von seiner Leserschaft leben konnte – aber auch, dass der Preis dafür Erschöpfung war. Im Januar 2015 gab Sullivan auf. Burnout. Nach 15 Jahren täglichen Bloggens war er leer.

Die Geschichte hätte hier enden können, aber 2020 kehrte Sullivan zurück – auf Substack, der Plattform, die nichts anderes ist als ein Blog mit eingebauter Bezahlschranke und E-Mail-Verteiler. Sein Newsletter „The Weekly Dish" hat heute über 197.000 Abonnenten. In seiner Substack-Bio nennt er sich „Recovering blogger". Die Selbstironie ist angemessen: Sullivan hat das Bloggen nie wirklich verlassen – er hat nur das Tempo gedrosselt und das Medium gewechselt.


Gawker: Aufstieg und Untergang des Blog-Imperiums

Einen völlig anderen Weg ging Nick Denton. Der britische Journalist und Unternehmer gründete 2002 in New York Gawker Media und bewies als Erster, dass man mit Blogs nicht nur publizieren, sondern ein Medienimperium aufbauen konnte. Gawker, das Flagship, war ein Klatsch- und Medienblog für Manhattan; Gizmodo (Technik, 2002), Kotaku (Gaming), Jezebel (Feminismus), Deadspin (Sport) und weitere folgten. Die Formel war simpel: schnell, frech, respektlos, viel Traffic, dazu Werbung. Es funktionierte. Auf dem Höhepunkt umfasste Gawker Media rund ein Dutzend aktive Blogs.

Denton hatte verstanden, was die meisten individuellen Blogger nicht sahen oder nicht sehen wollten: Blogs ließen sich industrialisieren. Man konnte Autoren nach Klick-Leistung bezahlen, Themen nach SEO-Potenzial auswählen und das anarchische Blog-Format in eine straff organisierte Redaktion überführen. Gawker Media war das erste Medienunternehmen, das Bloggen als primäres Geschäftsmodell behandelte.

Das Ende kam 2016, und es war so dramatisch, wie man es von Gawker erwarten konnte: Der Wrestler Hulk Hogan verklagte das Unternehmen wegen der Veröffentlichung eines Sex-Tapes und gewann vor Gericht 140 Millionen Dollar Schadensersatz – finanziert vom Milliardär Peter Thiel, der sich an Gawker rächen wollte, weil das Blog 2007 seine Homosexualität ohne sein Einverständnis öffentlich gemacht hatte. Gawker meldete Konkurs an. Es war eines der dramatischsten Kapitel der Mediengeschichte: Ein Blog, ruiniert durch einen von einem Silicon-Valley-Investor finanzierten Rachefeldzug. Die Frage, ob Thiels Vorgehen ein Angriff auf die Pressefreiheit oder die gerechtfertigte Bestrafung einer skrupellosen Publikation war, beschäftigt Medienrechtler bis heute.

Dentons Erbe ist ambivalent. Einerseits bewies Gawker Media, dass Blogs journalistische Kraft entfalten konnten – Gizmodo berichtete 2010 über den verlorenen iPhone-4-Prototypen, Gawker deckte Medienlügen auf. Andererseits institutionalisierte Denton eine Kultur der Rücksichtslosigkeit, die das Blog als Format bis heute belastet. Der 2004 ebenfalls von Denton und Meg Hourihan mitgegründete Aggregator Kinja war dagegen ein technisches Experiment, das nie richtig zündete.


Dooce: Die Königin, die am Bloggen zerbrach

Keine Geschichte des Bloggens ist vollständig ohne Heather Armstrong, besser bekannt als Dooce. 2001 begann sie auf dooce.com über ihr Leben zu schreiben – über ihren Job, ihre Kollegen, ihren Alltag. 2002 wurde sie gefeuert, weil ihr Arbeitgeber die Einträge entdeckt hatte. Das Ereignis ging viral (was damals bedeutete: 25.000 Seitenaufrufe am Tag) und schuf ein neues Wort: „gedooced" werden hieß, wegen seines Blogs den Job zu verlieren. Das Wort schaffte es sogar in die Quizshow Jeopardy!.

Nach der Geburt ihrer Tochter 2004 wurde dooce.com zum Prototyp des Mommy-Blogs: radikal ehrlich über postpartale Depression, schlaflose Nächte, die Zurichtungen der Mutterschaft. Auf dem Höhepunkt hatte die Seite 8,5 Millionen Leserinnen und Leser im Monat. Forbes nannte Armstrong eine der einflussreichsten Frauen in den Medien. Sie erschien bei Oprah. Um 2011 finanzierte das Blog Gehälter für sie, ihren Mann, eine Assistenz und zwei Vollzeit-Babysitterinnen.

Doch das Bloggen forderte seinen Preis: Die ständige Öffentlichkeit, der Hass aus anonymen Foren wie „Get Off My Internets", die Scheidung 2012, die schwere Depression – all das stürzte Armstrong in tiefe Krisen. 2019 sagte sie Vox, Mommy Blogging sei tot. Im Mai 2023 nahm sich Heather Armstrong das Leben. Sie wurde 47 Jahre alt. Ihr Partner Pete Ashdown schrieb: Sie habe viele Menschenleben durch ihre offenen Texte über Depression gerettet, aber am Ende sich selbst nicht retten können.

Ihr Tod markierte nicht nur ein persönliches Drama, sondern auch das symbolische Ende einer Ära: jener Zeit, in der einzelne Blogger mit nichts als einer Website und ihrer Stimme Millionenpublika erreichen konnten – und in der die Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre noch nicht von Algorithmen, sondern von Menschen gezogen wurde.

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Die Werkzeuge: Von Movable Type zu WordPress

Die Geschichte des Bloggens ist auch eine Geschichte seiner Software. In den Anfangsjahren schrieben Blogger ihre HTML-Seiten händisch. Dann kamen die Plattformen: Blogger (1999), LiveJournal (1999), Open Diary (1998), Movable Type (2001), TypePad (2003). Jede löste ein anderes Problem – LiveJournal die Community, Movable Type die Kontrolle über den eigenen Server, Blogger die Einfachheit.

Doch der wahre Gamechanger kam im Mai 2003, als Matt Mullenweg und Mike Little die erste Version von WordPress veröffentlichten – basierend auf dem Code der älteren Plattform b2/cafelog. WordPress war Open Source, kostenlos, erweiterbar. Es demokratisierte nicht nur das Schreiben, sondern auch das Gestalten: Tausende von Themes und Plugins entstanden, eine ganze Ökonomie wuchs um die Software herum.

Die Zahlen sind bis heute beeindruckend: Laut W3Techs laufen über 43 Prozent aller Websites weltweit mit WordPress – das entspricht rund einer halben Milliarde Seiten. Im CMS-Markt hält WordPress einen Anteil von über 60 Prozent. Der nächste Wettbewerber, Shopify, kommt auf knapp fünf Prozent. Deutschland ist nach den USA das zweitgrößte WordPress-Land der Welt, mit über 1,4 Millionen WordPress-Websites. Täglich werden über 500 neue WordPress-Seiten erstellt; nach Branchenschätzungen erscheinen rund 27 neue Blogposts pro Sekunde auf der Plattform.

Blogger.com existiert übrigens immer noch. Google hat die Plattform nie abgeschaltet, aber auch nie ernsthaft weiterentwickelt. Sie dämmert vor sich hin wie ein vergessenes Denkmal – funktional, aber aus der Zeit gefallen.


Die deutschsprachige Blogosphäre: Spätstarter mit Eigenheiten

Während in den USA das Bloggen bereits Ende der 1990er Jahre Fahrt aufnahm, startete die deutschsprachige Szene mit Verzögerung. Als frühes deutsches Blog gilt Walter Laufenbergs „Netzine", das am 3. Januar 1996 online ging. Weitere Pioniere waren Robert Brauns Weblog, Moving Target und das von Christiane Schulzki-Haddouti gegründete „Cybertagebuch". Doch ein echtes Szene-Bewusstsein – das Gefühl, „Blogger" zu sein und zu einer Gemeinschaft zu gehören – bildete sich erst um das Jahr 2000 heraus. Interessanterweise gab es dabei zunächst eine Spaltung zwischen den „Tagebuchschreibern", die persönliche Online-Diaries führten, und den „Bloggern", die sich eher als Linkfilter und Kommentatoren des Netzes verstanden – ein Konflikt, der an die US-Debatte zwischen Diary-Writern und Webloggern erinnerte.

Die deutsche Blogosphäre entwickelte eine eigene Dynamik, die sich von der amerikanischen unterschied. In Deutschland war die klassische Medienlandschaft vergleichsweise stark ausdifferenziert – Tageszeitungen, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Nachrichtenmagazine. Blogs hatten es schwerer, sich als Alternative zu etablieren. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie lasen um 2012 nur rund sieben Prozent der deutschen Internetnutzer regelmäßig Blogs – das entsprach etwa drei Millionen Menschen. Auch fehlte in Deutschland die Tradition amerikanischer Blog-Unternehmer: Während viele US-Firmenchefs bloggten und twitterten, war hierzulande kaum ein Konzernchef im Netz aktiv.

Dennoch entstanden einflussreiche Projekte. Das BILDblog, 2004 von Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis gegründet, wurde zum erfolgreichsten deutschen Medienwatchblog und erreichte zeitweise 1,3 Millionen Seitenaufrufe pro Monat. Spreeblick von Johnny Häusler, ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award, war ein kulturelles Mehrautorenformat aus Berlin. Netzpolitik.org von Markus Beckedahl entwickelte sich vom Blog zur journalistischen Institution – heute eines der wichtigsten Medien für digitale Bürgerrechte im deutschsprachigen Raum. Das Lawblog des Strafverteidigers Udo Vetter wurde zum Vorbild für juristische Fachblogs. Der Shopblogger berichtete aus dem Alltag eines Supermarkts. Wirres.net war liebenswürdiges Chaos. Und praegnanz.de von Gerrit van Aaken wurde zur Referenz für Webdesign und Typografie im Netz.

Robert Basic und sein Blog Basic Thinking verdienen besondere Erwähnung. Basic war der Vielblogger der deutschen Szene – „blog around the clock" war sein Motto, und er meinte es wörtlich. Im Januar 2009 sorgte er für ein Medienereignis, als er sein Blog auf eBay versteigerte. Der Zuschlag ging für einen fünfstelligen Betrag an eine Online-Agentur. Es war das erste Mal, dass der Marktwert eines deutschen Blogs öffentlich verhandelt wurde – und symbolisch der Moment, in dem das Blog endgültig von der Liebhaberei zur handelbaren Ware wurde.

Sascha Lobo, der Mann mit dem roten Irokesenschnitt, wurde zum „Klassensprecher des Web 2.0" ernannt – ein Titel, den er nie ganz loswurde. Er mitbegründete 2005 das Blog „Riesenmaschine" (Grimme Online Award), gründete mit Johnny Häusler den Blogvermarkter Adnation und schreibt seit 2011 die Spiegel-Kolumne „Die Mensch-Maschine". Lobo steht exemplarisch für den Weg vieler früher Blogger: vom unabhängigen Publizisten zum etablierten Medienakteur. Auf der re:publica, der großen Digitalkonferenz, die selbst aus der Blogszene hervorgegangen ist, sind seine jährlichen Vorträge längst Tradition.

Andere bekannte Namen der deutschen Blogszene – Medienrauschen, der Werbeblogger, Don Dahlmanns „Irgendwas ist ja immer", der Elektrische Reporter von Mario Sixtus – sind größtenteils verstummt oder in andere Formate übergegangen. Die Blogrolls von einst, jene liebevoll gepflegten Linklisten in der Seitenleiste, sind digitale Friedhöfe: Viele führen ins Leere.


Der große Umbruch: Social Media frisst die Blogs

Wenn man nach dem Wendepunkt sucht, an dem das Bloggen seinen Zenith überschritt, landet man unweigerlich bei den Jahren 2007 bis 2010. Twitter startete 2006 und bot Microblogging in 140 Zeichen – schneller, direkter, unmittelbarer als jeder Blogpost. Facebook, das 2008 in Deutschland an den Start ging, verwandelte den Leser in einen Follower und den Blogpost in ein Statusupdate. Instagram (2010) verlagerte die Aufmerksamkeit vom Text zum Bild. 20ec49d7-a16d-4013-8a8c-6e2b44060646

Die Dynamik war brutal: Die sozialen Netzwerke boten eingebaute Distribution, sofortiges Feedback, algorithmische Reichweite. Ein Blogpost musste erst gefunden werden – über RSS-Reader, Blogrolls, Suchmaschinen, Mundpropaganda. Ein Tweet oder Facebook-Post wurde automatisch in den Feed gespielt. Für viele Blogger war die Versuchung zu groß: Warum eine halbe Stunde an einem Text arbeiten, wenn ein Zweizeiler auf Twitter mehr Resonanz erzeugt?

Die Konsequenzen waren weitreichend. Technorati, die große Blog-Suchmaschine, stellte 2014 den Betrieb ein. Bloglines, der beliebte RSS-Reader, wurde 2015 abgeschaltet. Google beendete 2013 seinen eigenen Google Reader – ein Ereignis, das viele Blogger als Todesglocke empfanden. Die Blogroll verschwand aus den Seitenleisten. Die Kommentarspalten verlagerten sich auf Facebook und Twitter. Das dezentrale Gespräch der Blogosphäre wurde durch die zentralisierten Timelines der Plattformen ersetzt.

Für die deutsche Szene beschrieb die Bloggerin Silke König die Entwicklung treffend: Aus dem Leser wurde ein Follower, aus dem Kommentar ein Like. Die Kommunikation veränderte sich mit dem starken Wachstum der Social-Media-Kanäle. Es zählte nicht mehr, was man schrieb, sondern wie viele Freunde man auf Facebook hatte. Das Ende der Blogs wurde ausgerufen. Aber die nächste Generation stand schon in den Startlöchern und begann, das Bloggen professionell zu betreiben: mit einer Nische, einer Strategie, einer Zielgruppe. An der Schwelle vom Blogger zum Influencer haben viele gute Blogger vieles richtig gemacht. Andere wurden vom Konzern bezahlt – oder sind selbst zum Konzern geworden.

„Mommy Blogging is dead, and I think most of my colleagues would agree." — Heather Armstrong, 2019


Die Stille dazwischen: Blogs im Schatten der Plattformen

Während die große Öffentlichkeit die Blogs für tot erklärte, passierte etwas Interessantes: Sie verschwanden gar nicht. Sie wurden nur leiser. Die Vielblogger hörten auf, die Hobbyisten wanderten zu Instagram, aber eine erstaunlich stabile Infrastruktur blieb bestehen.

WordPress wuchs weiter und weiter, von 17 Prozent Marktanteil 2013 auf über 43 Prozent 2025. Allerdings hatte sich das Wort „Blog" gewandelt: WordPress betrieb längst nicht mehr nur persönliche Tagebücher, sondern Firmenwebsites, Online-Shops, Nachrichtenportale. Das klassische Blog – eine Person, eine Stimme, chronologische Einträge – war zur Minderheit auf seiner eigenen Plattform geworden.

Parallel dazu entwickelten sich Nischen-Blogkulturen, die unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit blühten: wissenschaftliche Blogs auf Hypotheses.org, Geschichtsblogs wie Klaus Grafs Archivalia (seit 2003), Rechtsblogs, Gartenblogs, Strickblogs. In der deutschsprachigen Blogszene überlebten vor allem jene Projekte, die eine klare Nische besetzten und ihre Community pflegten – während die Generalisten verstummten.


Die Newsletter-Renaissance: Bloggen per E-Mail

Und dann geschah etwas, das niemand vorhergesehen hatte: Das Blog kehrte zurück – verkleidet als Newsletter. Substack, 2017 gegründet und nach eigenen Angaben von über 35 Millionen aktiven Lesern genutzt, ist im Grunde nichts anderes als eine Blogging-Plattform mit eingebautem E-Mail-Verteiler und Bezahlschranke. Die Texte erscheinen chronologisch, man kann sie kommentieren, sie haben Permalinks – es ist ein Blog, das sich Newsletter nennt, weil „Blog" uncool klingt.

Evan Williams, der Mitgründer von Blogger und später Twitter, hatte diese Bewegung schon 2012 antizipiert, als er Medium gründete – eine Plattform, die die Ästhetik des Bloggens mit der Reichweite eines sozialen Netzwerks verbinden sollte. Medium verwischte die Grenze zwischen Blog und Journalismus und wurde zeitweise zur Heimat prominenter Autorinnen und Autoren. Doch das Modell war instabil: Medium wechselte mehrfach seine Geschäftsstrategie, und viele Autoren fühlten sich auf einer Plattform unwohl, über die sie keine Kontrolle hatten.

Substack und sein deutsches Pendant Steady (gegründet 2016 in Berlin, öffentlich gestartet 2017) lösten dieses Problem, indem sie den Autorinnen und Autoren die E-Mail-Adressen ihrer Abonnenten überließen. Die Erkenntnis war schmerzhaft einfach: Wer auf Facebook oder Twitter publizierte, war dem Algorithmus ausgeliefert. Wer eine E-Mail-Liste hatte, besaß eine direkte Verbindung zu seinen Lesern, die keine Plattform dazwischenschalten konnte. a5f7a01d-03a1-4e31-836d-db265cebb4be

Andrew Sullivan war in dieser Hinsicht ein Prophet, der das Modell schon 2013 praktizierte – Jahre, bevor Substack es industrialisierte. Sein Scheitern am Burnout und sein späterer Erfolg auf Substack illustrieren sowohl das Problem als auch die Lösung: Ein einzelner Blogger kann sich tägliches Publizieren nicht leisten; ein wöchentlicher Newsletter mit Bezahlmodell dagegen schon.

Die Ironie ist kaum zu übersehen: Die Newsletter-Renaissance von 2020 bis heute ist eine Rückkehr zu den Grundprinzipien des Bloggens – eigene Inhalte, eigene Stimme, direkter Kontakt zur Leserschaft –, nur mit dem Unterschied, dass der Text nicht auf einer Website wartet, bis jemand vorbeikommt, sondern aktiv in den Posteingang geliefert wird.


2026: Der Stand der Dinge

Wo steht das Bloggen also heute, im Frühjahr 2026?

WordPress dominiert weiterhin das CMS-Segment mit über 43 Prozent Marktanteil, doch sein Wachstum hat sich verlangsamt. Neue Plattformen wie Ghost (minimalistisch, auf Autoren zugeschnitten) und Substack (mit inzwischen eingebauten Community-Features, Podcasts und Livestreams) gewinnen an Bedeutung. Blogger.com existiert noch, wird aber kaum noch aktiv genutzt und ist eine Art digitales Museum.

Die A-List-Blogger von einst sind in alle Winde zerstreut. Kottke bloggt weiter, unbeirrt, seit 28 Jahren. Winer desgleichen. Doctorow ist produktiver denn je. Sullivan ist auf Substack mit fast 200.000 Abonnenten zurück. Hourihan berät Start-ups in Vermont. Powazek züchtet Blumen. Dash setzt sich weiter für ein offenes Web ein. Boing Boing existiert noch, aber leiser als früher. Gawker ist bankrott. Heather Armstrong ist tot. Jede dieser Biografien erzählt eine andere Geschichte darüber, was mit einer Person passieren kann, die ihr Leben ins Netz stellt. 57e669da-2ba7-4891-8021-fac1094ab51d In der deutschsprachigen Szene hat sich das Blog als Format für Spezialistinnen und Spezialisten gehalten: Netzpolitik.org ist wichtiger denn je, das BILDblog beobachtet weiterhin die Medien, und eine neue Generation von Newsletter-Autorinnen und -Autoren schreibt auf Substack und Steady über Politik, Kultur und Gesellschaft. Die großen Blogkonferenzen wie die re:publica existieren weiterhin, haben sich aber längst von reinen Blog-Treffen zu Digital-Festivals gewandelt.

Das Blog als Idee – ein Mensch, der regelmäßig seine Gedanken veröffentlicht, auf einer Seite, die ihm gehört – ist nicht tot. Es trägt nur verschiedene Kostüme: Mal heißt es Newsletter, mal Substack, mal Podcast-Shownotes, mal persönliche Website. Die Infrastruktur hat sich verändert, aber der Impuls ist derselbe geblieben: der Wunsch, mit eigener Stimme in die Öffentlichkeit zu sprechen, ohne die Erlaubnis eines Verlegers, eines Senders oder eines Algorithmus.

„Blogging has always been a part of this project. Keeping a writer's notebook in public imposes an unbeatable rigor." — Cory Doctorow, 2024

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Quellen und Anmerkungen

Erster Blog der Welt: Tim Berners-Lees Website am CERN (1991) wird häufig als erstes Blog bezeichnet, da er dort chronologisch über den Fortschritt des WWW berichtete. Justin Halls links.net (1994) gilt als erstes persönliches Blog. Beide Zuschreibungen sind in der Fachliteratur belegt. Quellen: History of blogging – Wikipedia, Themeisle, FirstSiteGuide

Begriff „Weblog": Wurde am 17. Dezember 1997 von Jorn Barger geprägt. Die Kurzform „Blog" geht auf Peter Merholz zurück (April/Mai 1999).

Rebecca Blood: Ihr Essay „Weblogs: A History and Perspective" erschien im September 2000. Ihr Buch The Weblog Handbook erschien 2002 bei Perseus Publishing. Im selben Jahr erschien auch We Blog: Publishing Online with Weblogs von Meg Hourihan, Paul Bausch und Matt Haughey.

Dave Winer und RSS: Winer entwickelte RSS 0.91 (1999) und war maßgeblich an der Weiterentwicklung beteiligt. Die RSS-Geschichte ist komplex (parallel gab es Entwicklungen bei Netscape und später den Atom-Standard), aber Winers zentrale Rolle ist unstrittig. Scripting News läuft seit 1997. Quellen: Wikipedia – RSS, PublishingState

Tim O'Reillys Blogger's Code of Conduct: Wurde im März 2007 vorgeschlagen, als Reaktion auf Drohkommentare, die die Bloggerin Kathy Sierra erhalten hatte.

Blogger.com: Ging am 23. August 1999 online, gegründet von Evan Williams und Meg Hourihan bei Pyra Labs. Von Google im Februar 2003 übernommen.

Matt Haughey und MetaFilter: Haughey programmierte an Blogger mit und gründete MetaFilter 1999. MetaFilter existiert bis heute. Quellen: Wikipedia, MetaFilter

Open Diary (1998): Im Text als eine der frühen Plattformen erwähnt. Open Diary (gegründet 1998) war tatsächlich eine der ersten Blogging-Plattformen, die eine Kommentarfunktion anboten. Quelle: History of blogging – Wikipedia

Meg Hourihan und Jason Kottke: Hourihan schrieb auf ihrem Blog über einen Schwarm bei der SXSW 2000; dieser stellte sich als Kottke heraus. Die beiden heirateten am 25. März 2006.

Kottke.org 2025: Jason Kottke veröffentlichte laut seinem eigenen „Kottke Wrapped 2025" insgesamt 2.142 Posts im Jahr 2025, an 262 verschiedenen Tagen. Das Membership-Modell beginnt bei drei Dollar pro Monat. Die Seite existiert seit 1998.

Anil Dash: Bloggt seit 1999 auf anildash.com (ehemals dashes.com). War CEO von Glitch, das 2022 von Fastly übernommen wurde. Dash wurde VP of Developer Experience bei Fastly. Glitch wurde im Juli 2025 eingestellt. Der Artikel beschreibt Dash im Abschnitt „2026" nicht mehr als Unternehmensleiter. Der New Yorker nannte ihn einen „blogging pioneer". Quellen: Wikipedia, LinkedIn

Derek Powazek: Die Beschreibung als ehemaliger Webdesigner, der heute Blumen züchtet, stammt aus seinem LinkedIn-Profil („Milk Barn Farm") und seiner eigenen Website.

Boing Boing: Drei Millionen Besucher und 600.000 RSS-Abonnenten auf dem Höhepunkt. Bloggies-Gewinner 2004 und 2005. Cory Doctorow verließ das Blog im Januar 2020 nach 19 Jahren. Die Zahl von 53.906 Posts stammt von Doctorow selbst (Medium-Post, 2023).

Cory Doctorow / Pluralistic / Enshittification: Doctorow startete Pluralistic im Februar 2020. Der Begriff „Enshittification" wurde 2023 von ihm geprägt und zum Macquarie Dictionary Word of the Year 2024 gewählt. Das POSSE-Prinzip stammt aus der IndieWeb-Bewegung. Quellen: Wikipedia, Boing Boing

Andrew Sullivan / Daily Dish: Sullivan startete den Daily Dish Ende 2000. 34.000 Abonnenten und 851.000 Dollar Einnahmen im ersten Jahr des Abo-Modells (2013) sind belegt. Er beendete den Dish im Januar 2015. Auf Substack hat er als „The Weekly Dish" über 197.000 Abonnenten (Stand: Anfang 2026). Die Angabe, er habe zeitweise mehr als die Hälfte des Atlantic-Traffics verantwortet, stammt aus einem Harvard-Magazine-Profil von 2014 und bezog sich auf Messungen von Alexa.com – einem Dienst, der selbst nicht mehr existiert, dessen Schätzungen also nicht überprüfbar sind. Quellen: Wikipedia (de), Substack-Profil

Nick Denton / Gawker Media: Gawker wurde 2002/2003 gegründet. Das Portfolio umfasste auf seinem Höhepunkt rund ein Dutzend aktive Blogs. Hulk Hogan gewann 2016 einen Schadensersatz von 140 Millionen Dollar. Peter Thiel finanzierte die Klage. Gawker meldete 2016 Insolvenz an. Quellen: Wikipedia – Gawker Media, Wikipedia – Bollea v. Gawker

Kinja: Wurde im April 2004 von Nick Denton und Meg Hourihan als News-Aggregator gestartet. Quellen: Wikipedia, EBSCO

Heather Armstrong / Dooce: Armstrong starb am 9. Mai 2023 durch Suizid. Ihr Blog hatte auf dem Höhepunkt 8,5 Millionen monatliche Leser (laut Vox, 2019). Forbes nannte sie 2009 eine der einflussreichsten Frauen in Medien. Die Jeopardy!-Erwähnung war am 10. Dezember 2009. Die Angabe über die Angestellten (Assistenz, zwei Babysitterinnen) stammt aus dem Wikipedia-Artikel zu Armstrong und bezieht sich auf die Hochphase um 2011; die Einnahmen schwankten über die Jahre erheblich. Quellen: CNN, Wikipedia, NBC News, Rolling Stone, CBC

WordPress-Marktanteil: 43,4 Prozent aller Websites weltweit (Stand April 2025, W3Techs). 61,4 Prozent im CMS-Segment. Deutschland ist mit über 1,46 Millionen WordPress-Websites das zweitgrößte WordPress-Land. Die Angabe „27 Blogposts pro Sekunde" stammt von InBound Blogging (2025) und wird dort ohne Primärquelle angegeben; es handelt sich um eine oft wiederholte Branchenschätzung. Hinweis: Die W3Techs-Zahlen umfassen auch inaktive Installationen und sind daher mit Vorsicht zu genießen – die tatsächliche Zahl aktiv genutzter WordPress-Seiten dürfte deutlich niedriger liegen.

Erstes deutsches Blog: Walter Laufenbergs „Netzine" ging am 3. Januar 1996 online. Quellen: Wikipedia – Blog (de), Startupbrett

Robert Basic / Basic Thinking: Basic versteigerte sein Blog im Januar 2009 auf eBay. Der genaue Kaufpreis wurde öffentlich nicht bestätigt; Medienberichte sprachen von einem fünfstelligen Betrag. Käufer war die Agentur Netpoint Media. Quellen: Blogbar, Marketing-Börse

BILDblog: 2004 von Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis gegründet. Die Zahl von 1,3 Millionen Seitenaufrufen pro Monat stammt aus dem FH-Mainz-Bericht „Deutschland Deine Blogger" (2013). Aktuelle Zahlen können abweichen.

Sascha Lobo: Riesenmaschine 2005 (Grimme Online Award), Adnation 2007 (mit Johnny Häusler), Spiegel-Kolumne seit 2011. Quellen: Wikipedia, saschalobo.com

re:publica: Gegründet 2007 von Tanja Häusler, Andreas Gebhard, Markus Beckedahl und Johnny Häusler. Die erste Konferenz fand mit etwa 700 Besuchern in der Kalkscheune in Berlin-Mitte statt. Beckedahl (Netzpolitik.org) und Häusler (Spreeblick) waren die bekanntesten deutschen Blogger und organisierten die Konferenz als Treffpunkt für die Blog-Community.

Steady: Steady wurde 2016 von Sebastian Esser und Philipp Schwörbel gegründet (beide zuvor bei Krautreporter), befand sich von Oktober bis Dezember 2016 in einer Alpha-Version und ging 2017 öffentlich an den Start. Quellen: Wikipedia (de), EU-Startups, Steady – About. Hinweis: Die URL steady.page löste 2025 die ältere Adresse steadyhq.com ab.

Substack: Die Plattform wurde 2017 gegründet. Die Angabe von über 35 Millionen aktiven Lesern stammt aus Substack-nahen Quellen (Substack Beginner's Guide, Anfang 2026) und ist nicht unabhängig verifiziert.

Google Reader / Technorati / Bloglines: Google Reader wurde am 1. Juli 2013 eingestellt. Technorati stellte den Blog-Indexierungsdienst im Mai 2014 ein. Bloglines wurde Anfang 2015 abgeschaltet.


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